Was ist neu
Der Ferrari Luce wurde im Mai 2026 als erstes vollelektrisches Auto aus Maranello gezeigt und folgt einem Konzept, das sich klar vom bisherigen Ferrari-Programm unterscheidet. Statt elektrische Versionen der aktuellen Hypercars, Supersportwagen, Gran Turismo oder des Purosangue zu bauen, entschied sich Ferrari für ein viertüriges Auto mit stärkerem Fokus auf Alltag, Nutzbarkeit und die Vorteile des Elektroantriebs. Emanuele Carando, Global Marketing Director von Ferrari, sagte bei einer privaten Veranstaltung in Le Mans, das Schlüsselwort rund um den Luce sei „digest“, weil es seiner Ansicht nach Zeit brauche, dieses Auto zu verstehen.
Seit der Vorstellung wird das Auto kontrovers diskutiert, sowohl wegen des Grundgedankens eines elektrischen Ferrari als auch wegen seiner Gestaltung. Ferrari holte LoveForm hinzu, das Studio von Jony Ive und Marc Newson, zwei Industriedesignern, die zuvor kein Auto gestaltet hatten. Ihr Beitrag sollte eine neue Formensprache bringen, geprägt von Vereinfachung, geschlossenen Formen und glatten Flächen.
Der Luce ist kein SUV, obwohl er vier Türen und eine Kabine mit hohem Nutzwert bietet. Die große Glasfläche zieht sich vom Vorderwagen bis zur Heckklappe und liegt unter schwebenden aerodynamischen Elementen an beiden Enden des Fahrzeugs. Vorn greift die große schwarze Fläche ein Motiv auf, das bereits beim Ferrari F80 und 849 Testarossa zu sehen war, während die Scheibenwischer in den A-Säulen versteckt sind.
Im Innenraum kombiniert Ferrari reduzierte Formen mit digitalen Anzeigen, doch der Mittelpunkt ist nicht ein riesiger Bildschirm. Im Zentrum steht das Dreispeichenlenkrad, aus einem einzigen Stück zu 100 Prozent recyceltem Aluminium gefertigt und von Hand veredelt. Als Vorbild nennt Ferrari die Nardi-Lenkräder der fünfziger und sechziger Jahre, während die Bedienung auf zwei analoge Tastengruppen an den oberen Speichen und separate Blinkertasten reduziert wurde.
Technik und Daten
Die zentralen Zahlen zeigen, dass Ferrari sein erstes Elektroauto nicht als leises Nebenprojekt angelegt hat. Der Antrieb leistet 1.035 PS und 11.500 Nm Drehmoment, dazu soll der Sprint von 0 auf 100 km/h in einem Wert beginnen, der bei den Angaben zur Beschleunigung mit zwei Sekunden beschrieben wird. Ferrari stellt den Luce als Ergebnis von mehr als zehn Jahren Arbeit an elektrifizierten Antrieben dar, beginnend in der Formel 1 im Jahr 2009 und fortgeführt in sehr schnellen Hybrid-Supersportwagen.
Auch die Abmessungen setzen den Luce vom Purosangue ab. Das Auto ist 5.026 mm lang und 1.544 mm hoch, damit länger und niedriger als der V12-SUV der Marke. Dazu kommen die größten Räder, die Ferrari je an einem Serienmodell verbaut hat: vorn 58 cm und hinten 61 cm, wahlweise im Fünfspeichen-Design oder als gefräste Turbinenoptik.
Aerodynamik, Fahrwerk und Innenraum
Die Aerodynamik bestimmte viele Details der Karosserie. Alle Flächen wurden glatt und durchgehend ausgeführt, ohne scharfe Kanten oder tiefe Vertiefungen, um den Luftstrom zu verbessern. Ferrari nennt den Luce das Straßenauto aus Maranello mit dem niedrigsten Luftwiderstandsbeiwert; außerdem nutzt er als erster Ferrari einen aktiven aerodynamischen Kühlergrill, und die Bodenfreiheit kann für mehr Effizienz um bis zu 10 mm sinken.
Das Chassis besteht aus recyceltem Aluminium, was laut Ferrari in der Produktion zu einer Einsparung von insgesamt sechs Tonnen beiträgt. Hinten nutzt der Luce den ersten separaten Hilfsrahmen der Marke, entwickelt zur Verringerung von Geräuschen, Vibrationen und Rauigkeit, ohne Fahrdynamik zu opfern oder zu viel Gewicht aufzubauen. Der Hilfsrahmen ist ein einteiliger Hohlguss aus recyceltem Aluminium und über elastomere Buchsen mit dem Chassis verbunden; die Hinterräder können zudem bis zu zwei Grad einschlagen.
Das Kombiinstrument ist direkt an der Lenksäule befestigt. Es nutzt eine komplexe Anordnung von OLED-Displays, die durch zwei übereinandergelegte Ebenen einen räumlichen Effekt erzeugen, wobei der vordere Bildschirm Ausschnitte besitzt und den dahinterliegenden Bildschirm sichtbar macht. Der zentrale Bildschirm sitzt auf einem Kugelgelenk und kann zum Fahrer oder Beifahrer gedreht werden, darunter befindet sich eine Handauflage für die Bedienung während der Fahrt.
| Parameter | Wert |
|---|
| Leistung | 1.035 PS |
| Drehmoment | 11.500 Nm |
| Länge | 5.026 mm |
| Höhe | 1.544 mm |
| Kofferraum | 597 Liter |
| Basispreis | £438,406 ohne britische Steuern und Gebühren |
Auch beim Fahrerlebnis nutzt Ferrari eigene Lösungen für den Elektroantrieb. Die Strategie Torque Shift Engagement erlaubt es, mit der rechten Schaltwippe fünf zunehmend stärkere Stufen für Drehmoment- und Leistungsabgabe zu wählen, um ein ansteigendes Beschleunigungsgefühl wie in einem Ferrari mit Verbrennungsmotor zu erzeugen. Die linke Wippe ahmt das Gefühl der Motorbremse nach, während der Klang aus echten Vibrationen der Elektromotoren gewonnen wird, die ein Beschleunigungssensor im hinteren E-Achsgehäuse erfasst und in der Kabine verstärkt.
Märkte, Preise und Verfügbarkeit
Die Premiere des Luce fand im Mai 2026 statt, und das Auto kann bereits bestellt werden. Der Preis beginnt bei £438,406, allerdings ohne britische Steuern und zusätzliche Gebühren, weshalb Kunden eher mit rund £460,000 rechnen müssen. Mit Optionen, Carbon-Details und individueller Innenausstattung kann der Gesamtpreis über die Marke von einer halben Million Pfund steigen.
Personalisierung spielt bei diesem Modell eine große Rolle. Ferrari nennt 35 Lackfarben, verschiedene Räder und zahlreiche Möglichkeiten für Karosserie und Innenraum, und Carando sagte in Le Mans, die Inspiration könne von historischen Ferrari ebenso kommen wie von einem Tennisplatz. Beim gezeigten Fahrzeug waren die gewählten Optionen auf der Unterseite der Heckklappe aufgeführt; die Liste umfasste 35 einzelne Positionen.
Positionierung und Kunden
Ferrari erwartet, mit dem Luce auch Menschen zu erreichen, die bisher keinen Ferrari besessen haben. Carando beschrieb ihn als Auto für einen anderen Kundentyp, während Ferrari-Chef Benedetto Vigna erklärte, das Unternehmen wolle zeigen, dass es jede Technologie auf eigene Art für das Fahrerlebnis seiner Kunden nutzen könne. Zudem gebe es Kunden, die einen Ferrari nur dann kaufen würden, wenn er elektrisch ist.
Diese Entscheidung fällt in eine Zeit, in der andere Luxus-Performance-Marken vorsichtiger agieren. Lamborghini hat die Pläne für sein erstes Elektroauto gestrichen und verweist auf eine sehr begrenzte Nachfrage nach Elektroautos im Segment der luxuriösen Supersportwagen; Stephan Winkelmann sagte, seine Kunden sähen ein EV heute nicht als Alternative. Aston Martin hat den Start seines ersten Elektroautos ebenfalls verschoben und nennt nur noch eine Markteinführung vor dem Ende des Jahrzehnts.
- Ferrari prüfte elektrische Versionen der aktuellen Hypercars, Supersportwagen, Gran Turismo und des Purosangue.
- Der Luce besitzt vier Türen, fünf Sitzplätze und einen Kofferraum mit 597 Litern Volumen.
- Kunden können aus 35 Lackfarben und vielen Personalisierungsdetails wählen.
- Käufer müssen keinen Luce erwerben, um Zugang zum nächsten streng limitierten Ferrari-Hypercar zu erhalten.
Fazit
Der Ferrari Luce ist das ungewöhnlichste Auto im Programm der Marke, weil er vollelektrischen Antrieb mit vier Türen, großem Kofferraum und einer Kabine für mehr Passagiere als in einem typischen Ferrari verbindet. Gleichzeitig zeigen Leistung, Drehmoment, Preis und Fahrwerksdetails, dass Maranello kein bloßes Symbol gebaut hat, sondern ein technisch aufwendiges Modell für eine neue Kundengruppe.